Triennale der Photographie Expanded
Eine Ausstellung von Jana Hartmann und Sam Gora
Eröffnung, Do, 25.06. um 19 Uhr mit Einführung
Sa, 18.07. 14 Uhr Workshop "Radikale Regeneration" mit Elisabeth Weydt (Journalistin und Buchauthorin)
So, 19.07. 15 Uhr Lesung von Prof. Dr. Anita Engels "Die Klimawende JETZT organisieren"
Das Umweltbundesamt sowie führende Wissenschaftsinstitutionen registrieren seit Jahrzehnten einen signifikanten Aufwärtstrend der Jahresdurchschnittstemperatur sowie einen Anstieg von extremen Wetterereignissen wie Starkniederschläge und Hitzewellen. Ursache sind anhaltend hohe und von uns Menschen verursachte Treibhausgasemissionen, die zu einer zunehmenden globalen Erderwärmung und damit zu Wetter- und Klimaextremen weltweit führen. Folgeerscheinungen, wie Überschwemmungen, Dürren und Waldbrände, stellen schon jetzt existenzielle Bedrohungen dar.
Vor diesem Hintergrund setzen sich die Künstlerinnen Sam Gora und Jana Hartmann in ihrer Ausstellung "Shifting Atmospheres" mit der Fragestellung auseinander, wie wir damit umgehen, wenn das Wetter zur Bedrohung wird.
Mit ihren Siebdruckarbeiten "Complex Interplay between too little and too much" basierend auf der medialen Berichterstattung zu Starkregen, Dürren und Sturmtiefs hinterfragt die Hamburger Künstlerin Sam Gora die kurz- und langfristigen Wirkungen von Presseberichten zu Extremwetterereignissen. Rütteln uns Bilder von Katastrophen auf oder führen sie eher zu Resignation oder gar Klimaangst? Wie viel "Betroffenheit und Verstehen" bleiben, nachdem die Ereignisse vom 'Jetzt' in die 'Vergangenheit' übergegangen sind?
In ihrer künstlerischen Recherche "B wie Blitz" beim Deutschen Wetterdienst, sammelte die Frankfurter Künstlerin Jana Hartmann Beispiele für den Umgang mit dem extremen Wetterphänomen Blitz. Von mythologischen Vorstellungen über religiöse Rituale bis hin zu wissenschaftlichen Experimenten versucht die Menschheit seit jeher, sich der als bedrohlich wahrgenommenen Naturerscheinung auf vielfältige Weise zu erklären bzw. sich vor ihr zu schützen. Hartmanns Wandcollage "Power Struggle" berührt die dahinterliegenden Machtfragen. Zum einen das Bestreben des Menschen das Wetter zu kontrollieren, früher durch Rituale wie Hagelprozessionen und Wettersegen, heute indirekt über Carbon Capture and Storage (CCS), welches im Ergebnis einen weiteren Anstieg der Erderwärmung verhindern soll. Zum anderen die Instrumentalisierung des Wetters zur Machtausübung gegenüber anderen. Historische Beispiele sind Kulturgeschichten von Göttern, wie Zeus und Thor, die ihren Unwillen mittels Blitz und Donner kommunizierten; religiös motivierte Hexenverbrennungen oder in der jüngeren Geschichte die mit moderner Technologie unternommenen Versuche, die Wolkenbildung zu ökonomischen bzw. militärischen Zwecken zu beeinflussen.
Die Kunstwerke unterstreichen die zentrale Rolle des Wetters für unser Leben. Zudem wird deutlich: Der Kampf um die Deutungshoheit von Wetterereignissen und -tends ist kein neuzeitliches Phänomen. Die Wahrnehmung von Wetter bewegt sich vielmehr seit jeher im Spannungsfeld zwischen rationalem Wissen, Glauben und emotionaler Erfahrung.
Darüberhinaus thematisiert die Ausstellung auch den Fakt, dass das Wetter nicht vom menschlichen Handeln zu trennen ist. So trägt bspw. die stetig steigende Zahl von Flugreisen zum erhöhten Treibhausausstoß bei. Wider besseren Wissens, 'befeuern' wir die Erderwärmung mit unserer Fluglust. So verweist Sam Gora mit ihrer Arbeit " " darauf, dass der Himmel vom Ort unserer Sehnsüchte zum Bedrohungsszenario wird, sollten wir unser kollektives Handeln nicht korrigieren. Auf die potentiellen Folgen eines "weiter so" verweist Sam Gora mit ihrem Video "When will the Sea become the Sky", indem sie mittels künstlerischer Überspitzung ein Szenario entwickelt, bei dem der Meeresspiegel unaufhaltsam steigt.
Die Ausstellung möchte jedoch nicht nur verschiedene Perspektiven auf extreme Wettersituationen eröffnen.
In dem Begleitprogramm zur Ausstellung diskutieren die Künstlerinnen mit Experten und Gästen Fragen zur Klimaresilienz, zum konstruktiven Umgang mit den Wetterveränderungen bzw. welche Handlungsoptionen wir auf individueller und kollektiver Ebene haben, um eine weitere Zuspitzung des Klimas zu vermeiden.
Gefördert von der Behörde für Kultur und Medien Hamburg, Katholischer Fonds und Brot für die Welt
https://www.janahartmann.eu/
https://www.samgora.com